Morganti Ju Jitsu, oder wie man aus einem Brett Gummi macht

Ich habe es ja angekündigt, endlich war es soweit: Morganti Ju Jitsu Probetraining, kurz: MJJ.

Mir gehen immer verschiedene Sachen so durch den Kopf, vor meinem ersten Training in einer neuen KK-Bude. Will ich das wirklich, eigentlich habe ich ja keinen Bock, das war ein echt anstrengender Tag und ich muss ja auch nicht, ich bin müde, puh – da ist wieder der Hexenschuss… undsoweiterundsofort. Das „Fischen nach Ausreden“, um bloß nicht hin zu fahren.

Das ist zum Beispiel eine echt negative Eigenschaft von mir: ich rede mir die Dinge mies. Aber ich kenne das ja mittlerweile und gehe mit Wut dagegen vor, so daß ich dieses mal mit meinem Schweinehund im Würgegriff beim MJJ aufgeschlagen bin. YAY!

Die Gruppe ist klein, zu fünft plus Lehrer waren wir. Altersbandbreite von Mitte 20 bis Ende 30 (geschätzt), ich denke, ich war der Silberrücken in der Runde.

Nach dem klassischen Aufwärmen ging es zum Rollen. Vorwärts, rückwärts, seitwärts. Aus dem Stehen, Sitzen, Liegen. Kannte ich noch, konnte ich aber nicht mehr wirklich gut. Gerade die Rückwärtsrolle aus dem Liegen war… abenteuerlich. Mein Bauch war mir/ ist mir einfach im Weg! Aber egal… „Hauptsache bewegen!“ höre ich den Lehrer… also bewege ich mich.

Dann klassische Fallschule. Auch das kannte ich noch, lief ganz okay. Nach ein/zwei Korrekturen kein Problem. Puh. Der Schweiß lief mir die Glatze runter und ich musste mich an einem der Boxsäcke festhalten. Wenn das Training jetzt vorbei gewesen wäre: da hätte ich kein Problem mit gehabt. Aber wir hatten noch eine ganze Stunde vor uns. Okay.

  1. Technik: Osoto Gari – die große Außensichel

Kam mir irgendwie bekannt vor, möglicherweise aus dem Aikido, oder es war eine dunkle Erinnerung aus dem Judo. Wenig kompliziert und relativ leicht auszuführen. Kein Problem soweit.

Osoto Gari

Das Problem begann mit der etwa 2364ten Wiederholung, denn mal abgesehen davon, dass ich keinen Bock mehr zum Aufstehen hatte, KONNTE ich auch gar nicht mehr auf die Beine!

Ich bin also liegengeblieben und habe versucht nicht zu schwitzen (was völlig sinnlos war) und zu Atmen, was mir nicht ohne Anstrengung gelang. Unfassbar. Glücklicherweise hat das der Lehrer wohl gesehen und uns die…

2. Technik gezeigt – das Festnageln auf dem Boden. Ich stand also auf, versuchte den Schweißabdruck mit dem Fuß vom Boden zu wischen und sah mir das in Ruhe an.

Okay, Arm des Gegners unter dem Ellenbogen fixieren, Schwerpunkt auf den Körper legen, mit Rechts und dem Kopf der Schwitzkasten – OK. Also rein ins Üben.

Da das alles auf dem Boden stattgefunden hat, konnte ich das ganz gut durchhalten. Wir probierten herum – rechte Seite, linke Seite, hier mal mehr, dort mal weniger… gut war das, lehrreich und lustig.

3. Technik – der Hebel. Die Fixierung unter dem Ellenbogen in eine Fixierung unter dem Knie bringen. Den nun freien Arm unter den Schädel des Gegner durch und den Schwitzkasten eng zurren. Mit dem anderen Arm den noch halbwegs freien Arm des Gegners an den Körper ziehen, abwinkeln und halten. Unter der dem Ellenbogen durch, seinen anderen Arm greifen und HEBELN!

Okay, das ist echt fies zu beschreiben. Kurz: UDE GARAMI:

Ude Garami im Ansatz

Okay, so weit so gut. Dann alles im Flow…. Angriff, Wurf, Fixierung Hebel. Jeder 3x, im Wechsel.

Puh… ich weiß nicht genau, wann ich das letzte Mal so geschwitzt habe, oder ob ich überhaupt irgendwann mal so viel geschwitzt habe… Mein Gi hatte nach dem Training ungefähr das Doppelte an Gewicht eingesaugt. Unfassbar!

Die letzten 5 Minuten haben dann die beiden mit der meisten Erfahrung einen klassiches BJJ Sparring gemacht, was echt interessant war. Hier habe ich schnell gemerkt, wieso BJJ auch das SCHACH unter dem Kampfkünsten genannt wird.

Zudem ist spätestens hier klar geworden, dass BJJ, wozu ich auch das Morganti Ju Jitsu zählen würde, ein Ganzkörperworkout ist. Jede einzelne Faser wird genutzt und benutzt.

Am Ende dann klassiche Kurzmeditation, verneigen, fertig. Im BJJ wird sich nach der Stunde abgeklatscht und mit einem Ju Jitsu Griff umarmt – genau so auch hier.

Zusammenhalt, Respekt und das Miteinander soll damit gefördert werden. Schöner Brauch.

Unterschiede zu „normalen“ Kampfkunst-Schulen? Trotz dem klassischen Begrüßungs- und Abschiedsritual herrscht eine krasse Lockerheit während des Unterrichts, trotzdem (oder vielleicht auch gerade deswegen) ist jeder 100% bei der Sache. Man kann sich unterhalten, lachen, ausprobieren, testen, diskutieren, alles drin! Das macht es persönlicher und – und das meine ich ernst – INTENSIVER!

Während des Unterrichts lief im Hintergrund brasilianische Popmusik. Hatte ich so auch noch nie, aber das hat diese familiäre Stimmung zusätzlich gefördert.

Das mag nicht jedermanns Sache sein, ich persönlich fand das alles sehr … sagen wir: wohltuend!

Nach einem Gespräch mit dem Lehrer ist dieser Ju Jitsu Stil ganz klassiches japanisches Jiu Jitsu. Der Vater des Stilbegründers hat Jiu Jitsu in Brasilien von den Ono Brüdern gelernt – wie ich es auch schon in meinem ersten Beitrag zum Morganti Ju Jitsu geschrieben habe. Und zwar über Jahre hinweg. Die Kollegen haben wohl regelrecht eine Tour durch Brasilien gemacht und überall Sparrings ausgetragen, unter anderem auch mit den Gracies und dem legendären Maeda. Die brasilianische Wrestling-Szene ist wohl zeitgleich entstanden und wurde durch die Onos stark beeinflusst. Kollege Morganti Senior war wohl dabei und lernte alles, was es so zu lernen gab. Danach hat er es offenbar wie einen Familien-Stil behandelt. Normaler Job, Familie und abends Jiu Jitsu. Das hat er seinem Sohn beigebracht, der dann mit dem Wissen mehrere Wettkämpfe bestritt und einige Medaillen nach Hause brachte. Der war es dann auch, der dieses Jiu Jitsu zum ersten Mal als „Morganti Ju Jitsu“ propagierte und eigene Schulen unter dem Namen aufmachte. Offiziell wurde Stil dann auch erst 1998 anerkannt.

Um es kurz zu machen:

Japanisches Jiu Jitsu – Familien-Stil – Morganti Ju Jitsu

Der Muskelkater hat sich dann schon auf der Heimfahrt bemerkbar gemacht, genau so wie die Adduktoren in den Oberschenkeln. Zu Hause habe ich dann einen fetten Bluterguss an den rechten Zehen entdeckt. Puh…

Man gut, dass ich es erst wieder nächste Woche Dienstag zum Training schaffe… mein alter geschundener Körper braucht ganz sicher die Woche, um wieder in den Flow zu kommen… und somit ist auch klar, dass ich dieses Morganti Ju Jitsu weitermachen werde…

Geiler Scheiß…. 🙂

Aber ist MJJ oder generell BJJ auch für Menschen älterer Jahrgänge zu empfehlen? Ich würde gerne das Training noch 2-3 Tage sacken lassen, bevor ich meine Bewertung abgebe – also: der nächste Beitrag kommt bestimmt! 🙂

In diesem Sinne! Bis zum nächsten Mal!

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