Ein kleiner Blick in die Vergangenheit

Ein Frage die nachträglich noch rein kam lautete wie folgt:

„Was hindert Dich denn daran wieder Wing Chun, Aikido, oder Taijiquan zu machen?“

Nichts. Alles. Irgendetwas dazwischen. Ich versuche das mal zu erklären…

Wing Chun: Eine tolle Kampfkunst, die nicht nur realistisch anwendbar ist, sondern auch einen tiefen philosophischen Teil beinhaltet. Wing Chun hat sich im Laufe der letzten Jahre stark verändert, angepasst, Elemente aus anderen Kampfkünsten dazugewonnen und auch einige Dinge wieder entfernt. Wing Chun ist eine „organisch wachsende“ Kampfkunst. Nicht überall, nicht in jedem Verband und in jeder Schule, aber in Summe ist das so. Mir persönlich ging einerseits die extreme Verbandsmeierei auf die Nerven, aber auch dieses sektenartige, mantramäßige „Wing Chun sei allen anderen Kampfkünsten / Kampfsportarten überlegen“- Getue, was völlig im Gegensatz zu der Philosophie von Ip Man steht. Man könnte darüber hinweg sehen und sich einen verbandslosen Lehrer suchen, jedoch sind diese rar gesäht und zumeist sind es ehemalige Mitglieder eines der großen Verbände, die natürlich die Denke und Struktur verinnerlicht haben.

Zum Zweiten ist der philosophische Aspekt des Wing Chun fast völlig verloren gegangen, was wirklich schade ist.

Aikido: Nach meiner Wing Chun Zeit habe ich eine ziemlich lange Pause eingelegt, bevor ich dann über die Biographie von Morihei Ueshiba zum Aikido gefunden habe. Aikido hat mir unfassbar viele andere Bereiche in der Kampfkunst eröffnet, als es Wing Chun tat und die Idee der nahezu „gewaltlosen“ Kampfkunst hat mich fasziniert. Nach 4 Jahren habe ich mir dann aber doch die Frage nach der Praxisbezogenheit gestellt. Ja, mit den vielen Hebeln, Würfen und der Agilität kann Aikido sehr heftig sein. Es mag von Schule zu Schule unterschiedlich sein, aber im Training wird aber nicht wirklich auf das Thema „Selbstverteidigung“ eingegangen, sondern die Technik wird – unabhängig davon wie ein normaler Angreifer vielleicht reagieren würde – zu Ende geführt.

Ist das sinnvoll? Ja. So lernt man die Technik richtig bis zum Ende ausführen- soviel ist klar. Aber hilft das in einer SV Situation? Ich zumindest habe / hatte nicht das Gefühl.

Taijiquan: Nach meiner Aikido-Zeit wollte ich zurück zu den Ursprüngen, zurück zu der Kampfkunst, die möglicherweise die Grundlage für die meisten „weichen“ bekannten chinesischen Kampfkünste bildet. Mein Problem war / ist aber, dass Taiji in Europa lediglich als eine Art Bewegungs-Meditation gelehrt wird. Mein Glück war, dass ich einen Lehrer gefunden habe, der das „Original“ vom Taiji nicht ganz aus seinem Lehrplan gestrichen hat und zumindest noch Ansätze der Kampfkunst lehren konnte. In Summe für mich aber dann doch zu wenig, so daß ich mit einem weinenden Auge Abschied genommen habe.

So. Und dann geschah genau das, was ich eigentlich vermeiden wollte. Viel Arbeit, wenig Bewegung und null Sport. Ich habe alles an den Nagel gehängt. Meine Klamotten, Bücher und mein Trainingszeug habe ich verkauft und nur noch gefressen und gearbeitet. 15 kg und etwa 3 Jahre später schaute ich dann meiner Tochter bei ihrer Blaugurt-Karate-Prüfung im Frühjahr 2019 zu und dachte mir: „Warum eigentlich nicht Karate?“

Kyokushin Karate: Alter Schwede… ich hatte hier zwar nur einen kurzen Einblick, aber der war krass überzeugend! Das Training gehört mit zu den härtesten Dingen, die ich bisher machen durfte. Und ich glaube, hier liegt auch das Geheimnis im Kyokushin Karate: Du wirst einfach so abgehärtet, dass Dich nichts umhauen kann. Fitness und Abhärtung stehen ganz weit oben. Technik kommt erst danach – was allerdings nicht heißt, dass Technik keinen hohen Stellenwert hat. Auch hier wird auf die Sauberkeit der Ausführung geachtet, das Techniktraining war ehrlich gesagt, nicht minder heftig. Ich wäre dabei geblieben, wenn meine Arbeitszeit nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte.

In Summe möchte ich keine Erfahrung missen. Jede Kampfkunst, die ich bis heute ausüben durfte, habe ich gerne betrieben, auch wenn ich bei keiner letztlich meinen „Hafen“ gefunden habe. Kyokushin wäre möglicherweise ein Hafen geworden, der mir aber durch meine Lebensumstände einfach verwehrt ist.

Soviel mal dazu. Mein nächster Beitrag wird eine Art „Bestandsaufnahme“. Alter, Gewicht, körperlicher Zustand, etc., sowie eine Zieldefinition für die kommenden 12 Monate … und ein kleiner Ausblick auf das eigentliche Thema dieses Blogs:

„WIESO ZUR HÖLLE IN DEINEM ALTER NOCH JU JUTSU?“

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